Kryokonservierung Von stammzellen

Erfahren Sie alles über den Prozess der Kryokonservierung und seine Bedeutung für Ihre Familie.

01

Was ist die kryokonservierung von stammzellen und wozu dient sie?

Die Kryokonservierung erlaubt, dass die Stammzellen jederzeit für den Einsatz zur Behandlung von Krankheiten verfügbar sind, da sie einfach aufgetaut werden können.
Im Fall der Nabelschnurblutzellen werden diese bereits bei der Behandlung von über 80 Krankheiten verwendet. Zellen aus dem Nabelschnurgewebe zeigen ein enormes Potential für therapeutische Zwecke und wurden bereits zur Bekämpfung der Graft-versus-Host-Reaktion eingesetzt.
Kryokonservierung bedeutet die Konservierung der Zellen für einen längeren Zeitraum, bei niedrigen Temperaturen (-196°C), ohne dass diese ihre Lebensfähigkeit verlieren. Derzeit werden die Blutstammzellen und das Gewebe der Nabelschnur für 25 Jahre gespeichert. Nach jüngsten Studien ist dies der Zeitraum, in dem die Zellviabilität gewährleistet werden kann.

Wussten Sie, dass…..?

Die ersten Stammzellen aus Nabelschnurblut wurden bereits in den 80er Jahren eingelagert. Mit diesen Stammzellen werden Viabilitätsstudien durchgeführt, um die Lebensfähigkeit der Zellen, welche über einen langen Zeitraum eingefroren wurden, zu beweisen. Ähnlich wie bei anderen Zellen und Geweben, die sich jahrzehntelang unter den gleichen Bedingungen halten, ist es wahrscheinlich, dass sich die Nabelschnurblutzellen theoretisch unbefristet erhalten können.

03

Vorteile und einschränkungen

Das Einlagern der Stammzellen des Nabelschnurblutes ermöglicht den Zugriff auf eine Behandlungsmöglichkeit, die mehrere Vorteile im Vergleich zur Behandlung mit Stammzellen aus anderen Quellen (Knochenmark und peripheres Blut) hat.

Zu den wichtigsten Vorteilen zählen:

  • Sofortige Verfügbarkeit der Zellen für Transplantationen.

  • Geringeres Risiko der Graft-versus-Host-Reaktion(GVHD), einer schwerwiegenden Komplikation, die nach einer hämatopoetischen Transplantation auftreten kann.

  • Größere Akzeptanz in der HLA-Kompatibilität zwischen Spender und Patient.

  • Nabelschnurblut kann nach der Geburt leicht entnommen werden. Der Prozess ist schmerzlos und stellt kein Risiko für die Mutter oder das Baby dar.

Es ist jedoch wichtig darauf hinzuweisen, dass die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut auch Einschränkungen haben:

  • Die Anzahl der enthaltenen Stammzellen kann niedriger sein als für eine Behandlung notwendig ist.

  • Längerer hämatologischer Wiederherstellungsprozess folgend der Transplantation, im Vergleich zum Knochenmark oder zum peripheren Blut. Diese Verzögerung bei der Heilung im Vergleich zur Knochenmarktransplantation steht wahrscheinlich in Verbindung mit der Anzahl der transplantierten Zellen.

 

Nabelschnurblut Knochenmark
Verfügbarkeit
  • Sofortige Verfügbarkeit. Die Stammzellen des Nabelschnurbluts werden eingelagert und können umgehend benutzt werden.
  • Längere Wartezeiten sind nicht auszuschliessen und es besteht das Risiko, dass kein kompatibler Spender gefunden wird.
Anzahl der zellen, die für eine effektive transplantation zur verfügung stehen
  • 5 bis 10mal niedriger im Vergleich zum Knochenmark. Dies kann die Verwendung, je nach Gewicht des Patienten und dessen Krankheit, einschränken.
  • Höher im Gegensatz zum Nabelschnurblut, mehrere Proben können entnommen werden.
Kompatibilität
  • Erhöhte Toleranz. Möglichkeit der Verwendung von Stammzellen, auch wenn die Kompatibilität zwischen Spender und Patient nicht 100-prozentig ist.
  • Geringe Toleranz, was die Möglichkeit einen kompatiblen Spender zu finden, einschränkt.
Risiko von nebenwirkungen (graft-versus-host-reaktion, gvhd)
  • Geringer, im Vergleich mit Knochenmark.1
  • Höher, verglichen mit Nabelschnurblut.
Hämatopoetische Wiederherstellungszeit
  • Etwa 1-2 Wochen langsamer als bei Knochenmark.2
  • Schneller als bei Nabelschnurblut.
Risiko und Unbehagen bei der Entnahme
  • Die Entnahme ist schmerzlos und stellt weder für die Mutter noch für das Baby eine Gefahr dar.
  • Die Entnahme beinhaltet einen einfachen, aber invasiven chirurgischen Eingriff mit Narkose, was immer ein gewisses Risiko aufweist.

(1) Die Erklärung hierfür ist, dass bei Transplantationen mit Nabelschnurblut das Risiko der Induktion der GVHD (Graft-Versus-Host-Reaktion) geringer ist, da die Stammzellen des Neugeborenen “immunologisch unreif” sind. Dies ist eine Komplikation, die manchmal bei allogenen Transplantationen auftritt (Spender und Patient sind verschiedene Personen), bei der die weissen Blutkörperchen des Spenders die Zellen des Patienten als fremd anerkennen und eine Immunreaktion gegen diese entwickeln. Diese Krankheit kann tödlich sein.

(2) Diese Verzögerung bei der Heilung im Vergleich zur Knochenmarktransplantation steht wahrscheinlich in Verbindung mit der Anzahl der transplantierten Zellen.

05

Wann werden die stammzellen kryokonserviert?

Nabelschnurstammzellen

Die Einlagerung von Nabelschnurstammzellen muss innerhalb von 72 Stunden nach der Geburt erfolgen. Die Entnahme ist einfach, sicher und schmerzlos. Nach dem Abklemmen der Nabelschnur wird das Blut in einem dafür vorgesehenen Beutel und das Gewebe in einem Behälter gesammelt. Ein spezialisiertes Transportunternehmen bringt die Proben dann sicher bis ins Labor.

Es ist wichtig, ein paar Wochen oder Monate vor der Geburt die richtige Entscheidung über die Einlagerung zu treffen, um sicherzustellen, dass die Dokumentation vorschriftsmässig vorbereitet ist.

Wenn Sie sich dazu entscheiden, die Nabelschnurstammzellen nicht einzulagern, werden diese im Krankenhaus entsorgt.

07

Privatbank vs. Öffentliche Bank

Für die Einlagerung kann man entweder eine Privatbank oder eine öffentliche Bank wählen, wobei nur private Banken Ihnen garantieren, dass die Stammzellen jederzeit für Ihr Kind verfügbar sind.
Das Bestehen dieser beiden Optionen ist Grundvoraussetzung für den Zugang der Patienten zur bestmöglichen Behandlungsoption.

Privatbank Öffentliche bank
Probe
  • Der Hauptvorteil liegt darin, dass die Stammzellen für den Eigennutz durch den Spender oder für ein kompatibles Familienmitglied jederzeit zur Verfügung stehen. Im Fall von Geschwistern ist die Wahrscheinlichkeit der Kompatibilität 25 %.1
  • Die Proben werden gespendet, um ein Spenderregister zu errichten. Die Proben sind öffentliches Eigentum, demnach hat der Stammzellenspender kein Recht auf die von ihm gespendeten Zellen.
  • Es wird nur eine bestimmte Anzahl von Proben eingelagert. Dies geschieht aufgrund der Kriterien der Repräsentativität und Effizienz.
Klinische verwendung
  • Die Proben sind für autologe (für den Spender der Zellen) oder allogene (für kompatible Familienangehörige) Transplantationen vorgesehen.
  • In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass für Krankheiten, die mit eigenen Zellen behandelt werden können, die Erfolgswahrscheinlichkeit höher ist als bei Transplantationen, bei denen Stammzellen eines Spenders benutzt werden. Allogene Transplantationen mit Stammzellen eines Familienangehörigen weisen eine höhere Erfolgsquote auf als allogene Transplantationen, bei denen Stammzellen nicht von verwandten Spendern stammen.
  • Die Proben sind für allogene Transplantationen vorgesehen, d.h. für Transplantationen zwischen unterschiedlichen Menschen. Die Ärzte identifizieren mögliche Spender durch Datenbanken.
Kosten
  • Die Zahlung des Dienstes erfolgt nach der erfolgreichen Einlagerung.
  • Es ist eine öffentliche Spende.

Referenzen:

1One Chance in a Million: Altruism and the Bone Marrow Registry, Ted C. Bergstrom, Rod Garratt, Damien Sheehan-Connor, April 23, 2008

Wussten Sie, dass…..?

Öffentliche und Familienbanken bestehen nebeneinander in der ganzen Welt.

Für die Einlagerung von Stammzellen aus Nabelschnurblut existieren sowohl öffentliche als auch Familienbanken. Familienbanken lagern Proben von Nabelschnurblut für die autologe Verwendung (für den Spender) oder für die Verwendung bei einem kompatiblen Familienmitglied (verwandte allogene Verwendung). Öffentliche Banken lagern Proben von freiwilligen Spendern für allogene Transplantationen (bei denen der Spender ungleich dem Empfänger ist). Für manche Erkrankungen aus dem Bereich der Hämatologie und Onkologie, wie genetische Erkrankungen, ist eine Verwendung von Zellen eines kompatiblen Spenders angezeigt. Das Bestehen von öffentlichen Banken ist für Patienten wichtig, die keinen kompatiblen Spender innerhalb der Familie haben. Bei anderen Anwendungen hingegen sind autologe Verwendungen vorzuziehen. Sogar bei allogenen Anwendungen ist die Nutzung einer Probe, die von einem kompatiblen Familienmitglied (vorzugsweise von einem Geschwisterkind) stammt, der Verwendung einer Probe von einem nicht verwandten Spender vorzuziehen. Öffentliche und private Banken sind perfekt vereinbar und ergänzen sich sogar, wie sich in einigen Ländern, in denen beide bestehen, manchmal sogar im selben Gebäude, gezeigt hat.